|
Myoshin-Friedrich Fenzl
Wahres und falsches Vertrauen
Wir stehen wenige Monate vor dem Beginn eines neuen Jahrhunderts, ja Jahrtausends. Große Zeitenwenden haben im Menschen immer Urängste hervorgerufen, zumal wenn diese mit einem kosmischen Ereignis wie einer totalen Sonnenfinsternis verbunden sind.
Angst ist ein Urphänomen der menschlichen Natur. Die Menschen der Moderne werden von Ängsten geplagt, die unsere Zivilisation hervorbringt, wie Atomgefahren, Umweltzerstörung und Genmanipulation. Doch dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, dass in der 'guten, alten Zeit', ohne den Schöpfungen der wissenschaftlich-technischen Entwicklung und getragen von einem gemächlichen Zyklus gesellschaftlichen Geschehens die Ängste geringer waren. Wir Menschen des säkularisierten, ausgehenden 20. Jahrhunderts können auch nicht annähernd die Ängste nachvollziehen, die der Mensch des Mittelalters und der frühen Neuzeit hatte. Es war die Angst vor dämonischen und teuflischen Kräften, in deren Klauen das Individuum geraten könnte und damit der Verlust der ewigen Seligkeit. Ein Beispiel aus dem 16. Jahrhundert möge das illustrieren: zur Zeit Martin Luthers wurde in Sachsen ein Mann wegen Straßenraub, zum Tode durch Rädern verurteilt. Das war eine sehr qualvolle Hinrichtungsart. Die Richter unterbreiteten dem Verurteilten nur den Vorschlag, sich in der Walpurgisnacht (30. April) auf den Brocken im Harz zu begeben, den Tanz der Hexen zu beobachten und dem Hohen Gericht darüber Bericht zu erstatten. Als Belohnung würde er nicht nur begnadigt werden, sondern auch noch 50 Taler Belohnung erhalten. Der Verurteilte zog die Hinrichtung vor.
Uns heutigen Menschen wag das absurd, grotesk und völlig unverständlich erscheinen.
Aber sind wir wirklich so weit von den Fesseln des Aberglaubens entfernt ?
In einer der größten Metropole der Welt, New York, sind 20.000 hauptberufliche Wahrsager und Astrologen tätig und verdienen sich eine 'goldene Nase' durch die 'Beratung' verunsicherter Klienten, die häufig aus der Geschäftswelt oder der High Society kommen und bereit sind, immense Summen für den Rat von Scharlatanen auf dem Tisch zu legen.
Sogenannte 'Esoterikmessen' boomen und ziehen große Scharen von Besuchern an. Es gibt praktisch Nichts, das auf diesen Megashows kommerzialisierten Aberglaubens nicht zu finden wäre von 'Wundersteinen' über Schamanenkurse bis zu indianischen Schwitzhütten. Aber das 'New age' ruft und die Adepten kommen ! Zweifelhafte Magazine bieten alle Arten von Kursen, Seminaren und Techniken an, das Leben zu meistern und die Gefahr des 'dunklen Loches', in das man nach Verlust jeder religiösen oder echten spirituellen Substanz zu fallen droht, zu minimieren. Man glaube nun nicht, dass das nur die intellektuell Unbedarften sind, der sprichwörtlich 'kleine Mann von der Straße. Dieser Trend hat längst auf die sogenannte, 'Intelligenzia' übergegriffen. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit lässt eine solche Gefahr durchaus real erscheinen. Ein namhafter Naturwissenschaftler in Österreich beruft sich auf den- spätmittelalterlichen 'Propheten' Nostradamus und behauptet sowohl den Tag der Sintflut wie auch den Weltuntergang auf Tag und Stunde genau berechnen zu können !
Ein besonders düsteres Kapitel eines virulenten Aberglaubens sind die Satanskulte und 'Schwarzen Messen', die besonders in manchen Kreisen junger Menschen wachsende Attraktivität gewinnen. Sie verwirren den Geist, bringen eine wachsende Abhängigkeit von unkontrollierbaren Mächten, führen zu sexuellen Ausschweifungen und im Extremfall sogar zu Blutverbrechen, wie zwei Fälle in der unmittelbaren Umgebung meiner Heimatstadt beweisen.
Kettenbriefe sind ein beliebter 'Sport' von psychisch gestörten Personen, die es offensichtlich genießen, Mitmenschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Und sie finden 'gläubige' Adepten, die ihre Machwerke auch noch vervielfältigen und versenden, anstatt sie dorthin zu befördern, wohin sie von Rechtswegen gehören - in den nächsten Papierkorb. Die einzige Profiteurin von Kettenbriefen ist die Post, die dadurch ihren Umsatz an Briefmarken steigern kann.
Natürlich war auch der Buddhismus von den frühesten Tagen der Lehre mit Aberglauben konfrontiert, der wie in unseren Tagen im alten Indien florierte.
Daher warnte Shakyamuni:
"Ein Laienjünger, ihr Mönche, der mit fünf Eigenschaften behaftet ist, gilt unter den Laienjüngern als verächtlich, als ein Schandfleck und Verworfener. Welche sind die fünf Eigenschaften ?
Er ist vertrauendlos, sittenlos, abergläubig, er verlässt sich auf sein Glück und nicht auf sein tätiges Wirken; sucht außerhalb des Sangha nach den der Gaben würdigen,
(AN, III/18/175)
In japanischen, buddhistischen Legenden endet der Abergläubige in der Welt der Pretas, der hungrigen Geister, die mit aufgequollenen Bäuchen und dünnen Schlünden das 'Wasser der Erkenntnis' trinken wollen, um ihren (spirituellen Durst zu löschen und es nicht können, weil sie aus seichten, abergläubigen und scheinreligiösen Quellen trinken wollen.
Shinran hat immer auf die Gefahren abergläubigen Denkens und Handelns hingewiesen (siehe Frontseite) und im HANDBUCH für LAIEN der Jôdo-Shinshû heißt es:
"Buddhismus, verwirft Aberglauben, der nicht in Übereinstimmung mit dem Karmagesetz ist.
Alle flehenden Gebete, Wahrsagerei, Prophetie, Hexerei und ähnliches, die nur dazu dienen, Lust und egoistische Wünsche des Menschen zu befriedigen, werden von Jôdo-Shinshû kategorisch abgelehnt.
Im Kapitel 'Hongwanji Traditionen' der 'Essentiales of Jôdo-Shinshû wird gesagt: "Verstehe voll das Karmagesetz und verwerfe alle Wunschgebete, Hexerei und Wahrsagerei als „Aberglaube".
Daher wird kein Jôdo-Shintempel solche Praktiken gestatten.
Der Buddhist, die Buddhistin nehmen ihre Zuflucht zu drei Juwelen BUDDHA, DHARMA, SANGHA.
Der Mensch bestimmt sein Schicksal durch sein Handeln und Wirken.
Nicht der Lauf des fernen Uranus oder eines anderen Gestirns bewirkte, dass wir in dieser oder anderen Gestalt unsere Wiedergeburt erfahren haben, dass wir dieses oder jenes Schicksal erleiden, mag es freudvoll oder weniger freudvoll sein, sonder allein unser vorgeburtliches Wirken.
Haben wir schwere Schuld auf uns geladen, so befreit uns davon nicht die „Sibylle im Hinterhaus", 3. Tür links, sondern einzig und allein unser vertrauensvolles Hinwenden zur großen Liebe und Barmherzigkeit AMIDA Buddhas.
Lassen wir alle unsere falschen und irrigen Ansichten fallen, unsere kleinen Sehnsüchte und Hoffnungen, aber auch unsere düsteren Befürchtungen für die Zukunft und öffnen wir unseren Geist und unser Herz der allesdurchdringenden Liebe AMIDA Buddhas!
|